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Das Wiedersehen mit Franz B. im HAUS BURGBLICK

 –  Sinsheim, Pflegeheim HAUS BURGBLICK

Radfahren – das fand ich auch lange vor den „E-Bike-Zeiten“ schon immer schön. Kleine Strecken, nicht zu viel Steigung, gemütlich eben. Damals hatte ich noch nicht daran gedacht, dass bei mir aus der Freude am Allerweltsradeln noch „mehr“ werden könnte: Die Entdeckung des Rennradfahrens! Für so einen „Sprung“ braucht es oft auch andere, die einen ermutigen, motivieren, an einen glauben, noch bevor man es selbst tut.

So war es auch bei mir. Franz B. war eben dieser „Scout“ für mich, der mir bei diesem „Sprung“ aufs Rennrad geholfen hat. Das war vor 17 Jahren. Und so ging es damals los auf die Straße mit dieser neu gewonnenen Leidenschaft für die schmaleren Reifen, dem leichteren Rad, dem Schalten zwischen den Gängen – oft auch gemeinsam mit meinem „Geburtshelfer“ Franz. Tausende gemeinsame Kilometer haben wir auf dem Sattel verbracht, ich meist hinter ihm, in der Fachsprache heißt das „in seinem Windschatten“ oder „an seinem Hinterrad kleben“.

Franz, obwohl knapp 10 Jahre älter als ich, hat mir auf mancher Tour gezeigt, dass er den stärkeren „Biss“ hat. Das konnte ich verkraften – schließlich kommt er vom Rudersport und war in jüngeren Jahren sogar deutscher Meister im Ruder-Achter. Er also Athlet – ich der bisher unambitionierte Gemütlichkeitsfahrer. Sollte ich mich beschweren? Jedenfalls nahm ich auch mit der Zeit an Kondition zu, so dass wir beide bald gut zusammen über die Hügel des Kraichgaus kamen.

10 Jahre lang dauerte diese gemeinsame aktive Radler-Zeit – selbst an manchen trockenen Wintertagen haben wir uns verabredet. Dann – ungefähr vor 7 Jahren – verließ Franz die Lust am Radeln aus verschiedenen, auch gesundheitlichen Gründen. Auch unsere Beziehung wurde seit dieser Zeit „dünner“ und die selten gewordenen Telefonate hatten nicht mehr unsere gemeinsamen Touren und die landschaftlichen Entdeckungen wie früher zum Thema. Da war eine Ära zu Ende gegangen und so verloren wir uns aus dem näheren Blickfeld.

Oktober 2019: Ich sitze an meinem PDL-Schreibtisch und bekomme eine Anfrage vom Krankenhaus zur Übernahme eines männlichen Patienten zur Kurzzeitpflege als Überbrückung bis zur geplanten Reha. Ich lese den Patientennamen: „Franz B.“. Nein, kann nicht sein, denke ich im ersten Moment. Geburtsdatum? Mensch, das ist er! Das kann doch nicht wahr sein! Ich besuche Franz im Krankenhaus und – erschrecke! Nach einem Gang am Rollator über den Stationsflur hat er genug und kann nicht mehr und muss wieder ins Bett.

Wenige Tage später dann die Aufnahme bei uns im HAUS BURGBLICK. Das Taxi kommt an und ich nehme ihn gleich an der Straße in Empfang. Schnell noch einen Rollator für ihn und dann in enger Begleitung unsere kleine Steigung zum Eingang hinauf. Ich bin innerlich wie gelähmt: Dieser ältere gebrechliche Mann - war das der Franz, der mich an manchen Steigungen im Kraichgau oder in Frankreich hat alt aussehen lassen auf dem Rad? Franz bekommt sein Zimmer unter dem Dach gezeigt und von nun an beginnt für ihn eine Phase des Aufatmens.

Medizinisch hatte er „Glück“ gehabt in dem, was mit ihm vor wenigen Wochen geschehen war. Das wird ihm jetzt langsam immer deutlicher. Tränen der Erleichterung fließen, dies alles überlebt zu haben. Den frischen Krankenhauseindruck noch im Rücken beginnt er schon in den ersten Tagen davon zu schwärmen, wie gut unser Essen ist, wie nett, aufmerksam und hilfsbereit das Personal ist. Sogar die Tageszeitung bringt man ihm extra an den Frühstückstisch – eine kleine Geste zwar, für Franz aber mit großer Bedeutung! All dies machte für ihn einen spürbar deutlichen Unterschied zur Behandlung vorher im Krankenhaus.

Franz lebt sich bei uns schnell ein. Er nimmt gerne an manchen Gruppenangeboten teil, macht mit unserer hausinternen, gelernten Ergotherapeutin Elena ein Bewegungsprogramm durch mit dem Ziel, alleine wieder Treppen steigen zu können! Und er macht rasante Fortschritte sehr zur Freude von Elena. Tag für Tag wird er stabiler und mutiger und bis zum Ende seiner Kurzzeitpflege bei uns ist dieses Ziel Treppensteigen geschafft! Super! Toller Fortschritt!

Und doch kommt in mir immer wieder ein kleiner Schreck hoch, wenn ich ihm tagsüber in unseren Fluren am Rollator begegne, den er wie selbstverständlich vor sich herschiebt. Rollator? Franz? Er, der gelernte Physiotherapeut, den ich in meiner Krankenhauszeit kennengelernt und gesehen habe, wie er Patienten am Rollator professionell begleitet hat. Jetzt braucht er selbst dieses Hilfsmittel? Wie lange noch? Für immer?

Die Kurzzeitpflegezeit bei uns geht zu Ende und er kann direkt in die geplante Reha übergehen. Als wir nach Ende der Reha mal telefonieren, ist ihm immer noch die gute und umfassende Betreuung bei uns lebendig in Erinnerung. Er ist jetzt wieder zuhause – seine Wohnung liegt im 3. Stock. Ich frage ihn: Schaffst du deine Treppe und deinen Alltag? Ja, er schafft die Treppe, kann kleine Runden in der Stadt zum Einkauf machen und bekommt jetzt auch hauswirtschaftliche Unterstützung über einen Pflegedienst. Ich bin beruhigt.

Mitte August 2020 fragt er mich, ob wir mal wieder eine kleine Radtour machen können. Ich staune und frage ihn, was er sich denn so zutraut. Ich rechne mit dem minimalsten. Seine Antwort: Sein Ziel wäre ein kleiner Ort im Umkreis von Sinsheim, der nur über ein paar der vielen Kraichgauer Hügel zu erreichen ist. Ich denke mir, das sagt er nur so im Scherz, er kann doch höchstens Kurzstrecken auf der Ebene fahren – ganz gemütlich, ganz langsam und vorsichtig. Den Rollatoreindruck hab ich noch frisch vor Augen!

19. August 2020: Ich sitze am Schreibtisch in der Verwaltung und kann auf den Eingangsbereich schauen. Plötzlich, kurz vor Feierabend, kommt ein Radfahrer im gelben Dress mit Mountainbike die Einfahrt hochgefahren. Ich muss zweimal hinschauen, wer dieser Überraschungsgast ist. Ist er das wirklich?

Tatsächlich! Franz hat es geschafft! Den Berg hoch zu uns zum HAUS BURGBLICK auf den Steinsberg. Und am Ende die Einfahrt mit dem Rad noch hochgefahren – dieselbe Einfahrt, die er vor knapp einem dreiviertel Jahr nur mit Mühe und Rollator hochschlurfte! Nach Feierabend fuhren wir nach Sinsheim hinunter. Er auf seinem Mountainbike ohne Unterstützung – ich auf meinem Geschäfts-E-Bike. Unsere erste gemeinsame Tour nach 7 Jahren! Wer hätte das gedacht?