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Newsletter Dual-Tasking

Noch auf dem Weg zur Tür wird der Schlüssel aus der Tasche gekramt. Beim Kochen unterhalte ich mich mit meinem Partner und ich höre dem Nachrichtensprecher im Radio zu, während ich mich im Straßenverkehr auf der richtigen Spur einordne. Unser aller Alltag ist geprägt von solchen Doppel- und Mehrfachaufgaben (im Englischen „dual tasks”). Jenseits der 50 und erst recht im fortgeschrittenen Alter wird es aber zunehmend schwerer, sie zu meistern. Bei Senioren wächst bei Überforderung durch die „Dual-Tasking”-Herausforderung sogar die Sturzgefahr. 

Aber: Dual-Tasking lässt sich üben. In vielen Pflegeheimen haben Trainingsprogramme ihren festen Platz, die darauf abzielen, die Fähigkeit zu erhalten, kognitive und motorische Leistung gleichzeitig zu erbringen. Sogar verbessern lässt sie sich nach neuesten Erkenntnissen wieder. Allerdings muss dann anspruchsvoll an die Leistungsgrenze trainiert werden. Doris Reimann, Leiterin vom Sozialen Dienst der avendi-Einrichtung WALDSIEDLUNG in Dessau-Roßlau, hat sich mit Kollegen im Rahmen des Projekts „Pflegebedürftige aktiv fördern", das die Pflegekassen Sachsen-Anhalt in Kooperation mit der EUMEDIAS AG Magdeburg anbieten, zwei Jahre intensiv mit dem Thema „Dual-Tasking” befasst. In der WALDSIEDLUNG kommen die Senioren seither in den Genuss eines besonderen Fitnesstrainings für Körper und Geist. An ihren Erfahrungen lässt Doris Reimann interessierte Newsletter-Abonnenten gern teilhaben. Mehr über ihre Erkenntnisse und praktische Übungstipps:

Pflegebedürftige aktiv fördern

Das alltägliche Leben ist geprägt von Doppel- und Mehrfachaufgaben, es besteht oft aus Bewegungen oder motorischen Aufgaben und noch einer weiteren motorischen oder kognitiven Aufgabe. Eine Doppelaufgabe im Alltag ist beispielsweise das Gehen, wenn gleichzeitig Fragen beantwortet werden. Das können Menschen im hohen Alter immer schlechter umsetzen, sie bleiben dann meist bei der Beantwortung einer Frage stehen, da Gehen und Nachdenken gleichzeitig ihre noch vorhandenen kognitiven Reserven überfordert. Reicht die Aufmerksamkeit nicht mehr für beide Aufgaben aus, ist dies ein Zeichen für ein erhöhtes Sturzrisiko.

Das Gehirn nimmt im Alter besonders durch Nichtgebrauch, Krankheit und Gebrechen sowie dem daraus resultierenden Mangel an Freizeitaktivitäten an Fähigkeiten ab. Unter Dual-Tasking-Training versteht man das Lösen einer geistigen (kognitiven) Aufgabe kombiniert mit einer aktiven (motorischen) Bewegung. So soll die Aufmerksamkeitsleistung das alten Menschen stetig verbessert werden. Das Programm „Pflegebedürftige aktiv fördern”, kurz PAF, bietet zum Thema Dual-Tasking spezielle Übungen, bei denen Motorik und Kognition miteinander aktiv verbunden werden. Das Programm trägt dazu bei, die Neubildung von Nervenzellen und deren Zellvernetzungen (Synapsen) im Gehirn zu fördern, die Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit, die körperliche Koordination und das Wohlbefinden des alten Menschen positiv zu beeinflussen und eine Verbesserung der Gehirnleistungsfähigkeit zu erreichen. Wichtig sind für den Erfolg die Regelmäßigkeit, das Variieren sowie das Steigern der Aufgaben vom Einfachen zum Schweren. Die Übungen müssen der individuellen Leistungsgrenze der teilnehmenden Personen angepasst werden, um sowohl Über- als auch Unterforderung zu vermeiden.

In unserer avendi-Einrichtung WALDSIEDLUNG stehen Dual-Tasking-Übungen mindestens zweimal pro Woche auf dem Plan. Dazu nutzen wir auch die Flure der jeweiligen Etagen, denn diese sind gut beleuchtet, hell und freundlich gestaltet. Dann wird von den Senioren beispielsweise ein Slalomlauf absolviert – je nach Mobilität des Bewohners entweder im Rollstuhl sitzend, mit Unterstützung von Rollator oder Gehstock oder im freien aufrechten Gang. Aufgaben mit verschiedenen Gegenständen – wie einem Ball, einer Fliegenklatsche und einem Chiffontuch – werden an einem Tisch erfüllt.

Senioren sitzen am Tisch und halten gemeinsam einen Ball in der Mitte fest.
Die WALDSIEDLUNG ist zertifiziert im Bereich Pflegekräfte aktiv fördern

Übungen für den Alltag mit Pflegebedürftigen

In der WALDSIEDLUNG hat das Team vier Übungen aus dem Dual-Tasking-Programm eingeführt, indem es Gedächtnistraining in jeweils schon bestehende Gruppenangebote integriert hat.

 

Übung 1: PAF-Gedächtnisübung „Fragerunde“ im Bewegungsparcours – ca. 45 Minuten, 2 x Woche

 

Vorbereitung: Mit Pylonen wird ein Parcours gebildet. Die Begrüßung der Teilnehmer erfolgt mit einem: „Sport frei!", dabei wird 3 x in die Hände geklatscht. Dann folgt eine Aufwärmung von Muskeln und Gelenken durch Kreis-, Schwung-, Dehn- und Streckübungen von Kopf bis Fuß. Das Thema und die Aufgabenstellung des Trainings werden erklärt, der Ablauf demonstriert. 

Eine Senioren sitzt auf einem Stuhl und streckt die Hände in die Höhe.
Ein Senior läuft um Kegel herum.

 

 

Aufgabe 1: Die Senioren durchlaufen nacheinander die Hindernisstrecke zu Fuß, mit dem Rollator oder dem Rollstuhl in Form eines Slalomlaufes. Wenn nötig, erhalten sie Hilfe und Unterstützung.

Dame geht mit Rollator durch Parcours.

 

 

Aufgabe 2: Die Senioren durchlaufen die Hindernisstrecke einzeln und sagen dabei das Alphabet auf, Buchstabieren oder nennen gerade oder ungerade Zahlen.

 

 

Aufgabe 3: Gegenstände in verschiedenen Größen müssen von der Wegstrecke aufgehoben werden. Bei Bedarf erhalten die Senioren Unterstützung.

Ein Mann im Rollstuhl bückt sich nach einem Tuch am Boden.
Eine Frau im Rollstuhl bückt sich nach einem Kegel.

 

Zwischendurch werden immer wieder Pausen gemacht und Getränke angeboten.
Schluss: kurze Reflexion des Trainings und Verabschiedung mit: „Sport frei!"

 

 

Übung 2: Die PAF-Gedächtnisübung „Farben- und Zahlensalat“ in Kartenspielrunde – ca. 30 Minuten, 1 x Woche

 

Vorbereitung: Als Material werden mehrfarbige Karten, beschriftet mit den Zahlen 1 bis 10, und eine Fliegenklatsche bereitgehalten. Die Senioren sitzen aufrecht am Tisch.

Ablauf: Die Karten werden auf dem Tisch verteilt, wobei die Abstände so zu wählen sind, dass alle Teilnehmer die Karten erreichen können, es ist aber wichtig, dass sie sich auch strecken müssen, um die Karten gerade noch antippen zu können. Dann wird eine Farbe oder Zahl benannt und die Teilnehmer tippen mit der Fliegenklatsche die passende Karte an. Um eine leichte Steigerung des Schwierigkeitsgrads zu erzielen, können zwei Farben oder Zahlen benannt werden. Noch anspruchsvoller wird die Aufgabe, wenn zwei Farben oder Zahlen nur mit der rechten Hand mit der Fliegenklatsche angetippt werden dürfen, zwei andere aus der Kategorie nur mit der linken Hand. Möglich ist auch die Variante, zwei Zahlen zu nennen, die zuerst addiert werden müssen.

 

 

Zwei Seniorinnen halten Fliegenklatschen in der Hand, auf dem Tisch vor ihnen liegen Zahlen-Karten.

 

 

 

Übung 3: Die PAF-Gedächtnisübung „Rollball“ in der Morgenrunde mit Frühsport – ca. 20 Minuten, 1 x Woche

 

Vorbereitung: Zwei kleine, unterschiedlich farbige Bälle werden bereitgehalten. Die Teilnehmer sitzen aufrecht am Tisch.

Ablauf: Gestartet wird mit einem Ball, der nur mit der rechten Hand über den Tisch gerollt wird.

 

 

Ein alter Mann sitzt am Tisch und rollt einen roten Ball mit der linken Hand weiter zu seinem Gegenüber.
Ein Senior stößt mit der linken Hand einen roten Ball an und rollt ihn über den Tisch.

In der zweiten Runde wird der zweite Ball nur mit der linken Hand gerollt. Zum Schluss rollen die Senioren beide Bälle gleichzeitig über den Tisch.

Senioren rollen zwei farbige Bälle über den Tisch.

 

 

 

Übung 4 (für Fittere): „Wurf-Ball“ als Abschlussübung von Kraft- und Balancetraining – ca. 15 Minuten, 2 x Woche

Vorbereitung: Zwei unterschiedlich farbige Bälle werden bereitgehalten, die Senioren sitzen im Kreis.

Ablauf: Gestartet wird mit einem Ball, der gefangen und nur mit der rechten Hand zurückgeworfen wird. Im Anschluss wird der zweite Ball nur mit der linken Hand geworfen. Der Schwierigkeitsgrad der Aufgabe lässt sich erhöhen, wenn sich die Teilnehmer am Ende beide Bälle gleichzeitig zuwerfen.

Zwei Senioren werfen sich einen roten Ball zu.
Zwei alte Männer werfen sich einen blauen Ball zu.

Jeder kann mit Dual-Tasking-Aufgaben arbeiten

In der WALDSIEDLUNG motivieren Doris Reimann und ihre Kolleginnen die Mitarbeiter, aber auch die Angehörigen der Bewohner dazu, Komponenten aus dem Dual-Tasking-Programm in den täglichen Tagesablauf zu integrieren. Beispielsweise lassen sich ins Lauftraining oder beim Spaziergang kleine Gedächtnisübungen einbauen. Beliebte Möglichkeiten: Kopfrechnen, Zahlenreihen bilden, Wortsammlungen suchen, Sprichwörter nennen. Auch Angehörige von Pflegebedürftigen, die ihre Lieben noch zu Hause pflegen können, können deren Fähigkeit, Doppelaufgaben zu bewältigen, auf diese Weise fördern. Sie betreiben damit zusätzlich aktiv Sturzprophylaxe, da das Sturzrisiko wächst, wenn die Fähigkeit schwindet, kognitive und motorische Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen. 

Erfahrungswerte aus der WALDSIEDLUNG:

Doris Reimann vom Sozialen Dienst der WALDSIEDLUNG schätzt die Möglichkeiten sehr, die sich durch PAF und die Dual-Tasking-Aufgaben bieten: „Unsere Bewohner sind immer offen und zugänglich für neue Beschäftigungsanregungen, sie probieren innovative Dinge gern aus, entwickeln aber auch eigene Ideen, um Spiele abzuwandeln. Es ist wichtig, sich im Alter körperlich und geistig fit zu halten, die Gelenkbeweglichkeit zu trainieren, aber auch Freude an der Bewegung zu haben. Dual-Tasking macht das möglich."

Themenvorschläge?

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