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Von Mannheim nach Indien: avendi-Mitarbeiterin engagiert sich in sozialem Projekt

 –  Aktuelles

Auch nach ihrem einjährigen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Südafrika spielt das Thema HIV und AIDS weiterhin eine große Rolle für unsere BA-Studentin Carolin Holwitt. Die Förderung medizinischer Versorgung, insbesondere einkommensschwacher und bildungsferner Bevölkerungsschichten, liegt ihr am Herzen.

Für Caro fängt das Jahr spannend an: Gleich am 1. Januar reist sie nach Indien, um dort tatkräftige Unterstützung zu leisten – und dieses Vorhaben ermöglicht ihr avendi. „Ich freue mich darauf, Eindrücke der Arbeit des Brückenbauer Vereins, der das Projekt vor Ort mit dem Vinzentiner Orden umsetzt, sammeln zu können. Ohne Freistellung wäre das nicht möglich. Für diese Gelegenheit bin ich avendi sehr dankbar", erzählte sie vor ihrer Abreise.

Wie ist sie auf dieses Projekt aufmerksam geworden? Wir haben nachgefragt:

„Singannagudem in der Nähe von Vijayawada – ein Ort, so klein, dass man ihn weder kennt, noch auf herkömmlichen Karten findet. Auch bei Google oder Wikipedia lässt er sich gar nicht so leicht aufspüren. Die sehr ländlich geprägte Region im Bundesstaat Andhra Pradesh im Südwesten Indiens weist eine hohe Anzahl an HIV-Patienten auf. Deren medizinische Versorgung kann derzeit nicht ausreichend durch die Regierung sichergestellt werden. Umso wichtiger ist es, dass sich Organisationen und Vereine beim Aufbau einer Anlaufstelle für betroffene Menschen engagieren. Dadurch können nicht nur Medikamente, sondern auch grundsätzliche Informationen zum Krankheitsbild und individuelle Beratungsangebote bereitgestellt werden. Der Brückenbauer Verein aus meiner Heimatstadt Warendorf hat in diesem Zusammenhang gemeinsam mit den Vinzentinern Initiative ergriffen. Als nächstes Projekt soll eine Art Apotheke auf Rädern realisiert werden, um den betroffenen Menschen den Zugang zu notwendigen Arzneimitteln zu erleichtern. Ich werde in der Zeit im angrenzenden Mädcheninternat untergebracht sein und die Nonnen vor Ort unterstützen.“

Erste Eindrücke

Mit mehr als 24 Stunden Verspätung ist Caro schließlich heil in Singannagudem angekommen. Anfangs musste sie sich an das frühe Aufstehen um 4.30 Uhr gewöhnen. Kaltes Waschwasser, scharfes Essen sowie Hitze und Moskitos machen ihr nach wie vor zu schaffen: „Sie tragen andere Bakterien und Keime mit sich, weshalb die Stiche gigantische Ausmaße auf meinem Körper annehmen." Von den miserablen Lebensumständen und dem Umgang mit Müll vor Ort ist Caro ohnehin nachhaltig geschockt: „Ich meinte, auf meinen Touren durch das Hinterland Südafrikas, der Türkei, sogar in Spanien auf dem Jakobsweg viel Müll gesehen zu haben, aber die Inder hier übertreffen es. Wen wundert es, es gibt hier keine Mülleimer und auch keine Müllabfuhr, die sich dafür interessiert. Daher wird alles einfach aus dem Fenster des Autos geschmissen. Die Straßenränder sind zugemüllt, die Familien verbrennen ihren Hausmüll jeden Abend vorm Haus und nutzen die Hitze zum Kochen. Zwischen den kleinen Häusern aus Stein und Hütten aus Stroh verlaufen Rillen im Boden. Essensreste, Seife, sämtliche Ausscheidungen, Müll – alles wird auf irgendwelche Felder oder in Teiche davongetragen und sickert in den Boden..."

Licht und Schatten 

Umso schöner, dass Caro die Menschen freundlich begegnen und sie in dieser Hinsicht jeden Tag tolle Erfahrungen sammelt. Nur Handy, Brille und alles, was auf Wohlstand deuten ließe, hält sie etwas versteckt. Sogar die Birkenstock-Sandalen. „Elaise möchte nicht den Eindruck vermitteln, dass ich Reichtümer besitze, da es bei vorherigen Besuchern schon zu Einbrüchen der Dorfgangs gekommen ist. Wir wollen auch das Betteln der Leute nicht unnötig provozieren." Die Arbeit mit den Kindern macht Caro große Freude, auch wenn sie vieles nachdenklich stimmt: „Die Kinder hier in der Schule tragen ihre zerpflückte Schuluniform wirklich ungerne. Vor allem empfinden sie Schuhe als absolut unnötig. Ich genieße das Bild vor und nach der Schule, wenn die Kids das Schulgelände hier betreten und erst da ihre Schuhe aus ihrem Rucksack holen, wenn sie einen dabei haben... Schulbücher und Hefte bleiben in der Schule, zu groß ist die Gefahr, dass man sie nicht wiedersieht. Essen hat kaum wer dabei. Es gibt hier viel zu wenig Schulbänke. Aber da sitzen dann auch immer nur wenige wirklich drauf. Der Rest hockt im Schneidersitz davor. Genauso in der Kirche. Nur für die wirklich Alten gibt es Sitzgelegenheiten, der Rest hockt im Schneidersitz und würde einen Stuhl niemals bevorzugen."

In nächster Zeit besucht Caro verstärkt abgelegenere Dörfer, um bekannte HIV-Patienten dort zu besuchen und sie mit Medikamenten zu versorgen. Sicher lässt sie bald wieder von sich hören...