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Weihnachten in „Bullerbü"

 –  Pflege & Wohnen SANDHOFER STICH, Mannheim

Um den Bewohnern ein schönes Weihnachtsfest zu bescheren, fahren die avendi-Einrichtungen in der Vorweihnachtszeit unter Volldampf. Wo bleiben die Mitarbeiter selbst – ertrinken sie im Stress oder genießen sie die Vorweihnachtszeit gemeinsam? Das a-team war zum Weihnachtsbesuch im SANDHOFER STICH.

Tim Wolf ist entspannt. „Wir haben so viele Events im Jahr, da fällt Weihnachten gar nicht so ins Gewicht.“ Gerade noch feierte seine Einrichtung das Oktoberfest, schon beginnen die Vorbereitungen für Weihnachten. Jedes Jahr ein bisschen früher, sonst komme man kaum durch. „Früher haben wir Mitte November angefangen zu planen, jetzt schon Ende Oktober.“

Wie jedes Jahr setzt sich Wolf mit seinem Leitungsteam zusammen und geht in die Kritik des Jahres zuvor. Der Anspruch ist hoch: 2016 war „ganz schön“, aber 2017 soll einen neuen, zusätzlichen Dreh bekommen. Die Einbindung der Angehörigen nämlich. Einrichtung und Familien sollen näher zusammenrücken, das ist Ziel aller Anstrengungen in diesem Jahr. 120 Betten hat der SANDHOFER STICH. Rund 20 Prozent der Bewohner feiern Weihnachten bei ihrer Familie. Alle anderen, fast 100 Senioren, bleiben im Heim. Viele von ihnen haben durchaus Angehörige. Doch die Familien leben teilweise weit entfernt – oder sie haben Angst. „Entweder davor, dass was passiert“, erklärt Alltagsbegleiterin Iris Geier. Vater oder Mutter könnte stürzen, „aber das kann hier ja auch passieren.“ Oder vor den Emotionen: „Man muss denjenigen ja auch wieder zurückbringen. Das ist für alle Beteiligten schon eine Packung.“

Wenn also die Propheten nicht zum Berg kommen, muss der Berg eben zum Propheten. Im Fall des SANDHOFER STICH bedeutet das: die Adventssamstage so attraktiv gestalten, dass die Familien gerne kommen. Die initiale Idee, wie man das bewerkstelligen kann, stammt witzigerweise aus der Küche. Ein Markt müsse her, fanden die Kollegen, und bauten kurzerhand zwei Buden. Dort werden im Advent kleine Geschenke verkauft und kostenlos Waffeln und Glühwein ausgegeben. Für Enkel und Urenkel wird eine Bastelecke eingerichtet, direkt neben dem ungeschmückten Baum. Die Kinder dürfen Baumschmuck basteln, die Bewohner natürlich auch. So entwickelt sich der Baum von Woche zu Woche weiter.

Besser geht immer

Man lernt nie aus. Immer findet sich etwas, was man besser machen kann als im Jahr zuvor. Das Weihnachtsessen ist so ein Beispiel. Was es gibt, wird stets frühzeitig mit dem Heimbeirat abgesprochen – wann es das Weihnachtsmenü gibt, ist jedoch in diesem Jahr anders. Denn das opulente Menü abends aufzufahren, war oft vergebene Liebesmüh. Zu viel wurde über den Tag bereits gegessen, so dass der Hingucker-Nachtisch stehen blieb. Das Weihnachtsmenü wird nun mittags aufgetischt. „So können außerdem Früh- und Spätdienst daran teilnehmen, was uns sehr wichtig ist!“, begründet Wolf die Entscheidung. Die Einrichtung lernt aber auch, sich zu beschränken. Mehr Veranstaltungen bedeutet nicht ein Mehr an vorweihnachtlicher Stimmung. „Irgendwann hatten wir fünf Kitas hier, die uns was vorgesungen haben. Das hat die Bewohner überfordert“, schmunzelt Iris Geier. Raum für Besinnlichkeit und Ruhe muss sein. Und für Emotionen. Damit ist Weihnachten übervoll. Jeder Bewohner trägt sein Erinnerungspaket mit sich, auch jeder Mitarbeiter hat „seine“ Weihnachtsgeschichte. „Es wird viel geweint. Das gehört einfach dazu“, erzählt Geier – und nimmt sich selbst nicht aus. „Wir wissen, wer viel Raum für seine Gefühle braucht und wo es vielleicht noch von der Familie aufgefangen wird.“ Für die anderen Bewohner sind die Mitarbeiter der Einrichtung die Ersatzfamilie.

Frohe Weihnachten bei avendi

Ganz ehrlich: Weihnachten arbeiten zu müssen, macht den wenigsten Menschen Spaß. Kämpfe um die Dienstplan-Pole-Position gibt es im SANDHOFER STICH nicht. Wer letztes Jahr Weihnachten nicht gearbeitet hat, muss dieses Jahr ran. Doch für die Leitungskräfte ist der Dezember trotz dieser klaren Regelung problematisch. „Planerisch fehlen drei bis vier VK-Stellen“, seufzt HL Wolf. „Die Personaleinsatzplanung im Dezember ist immer eine riesen Herausforderung.“ Und aus PDL-Sicht ist der Dezember regelrecht sakrosankt: Die Hemmschwelle ist noch größer, die Mitarbeiter aus dem Privaten herauszuholen. Doch leider müssen in der Vorweihnachtszeit Personalentscheidungen getroffen werden, die den Leitungskräften wirklich nah gehen.

Pflegefachkraft Sabrina Koseda nimmt‘s entspannt. Sie muss dieses Jahr Weihnachten nicht arbeiten, sondern kann mit ihrer kleinen Tochter und ihrem Mann feiern. Dafür muss sie Silvester ran. Dennoch kann sie auch dem Arbeiten an Weihnachten etwas abgewinnen: „Ja, es ist stressiger als sonst. Die Bewohner, die mit den Angehörigen rausgehen, wollen besonders gut aussehen. Die Medikamente müssen beachtet werden, die Inkoversorgung. Aber wenn sie abends total glücklich zurückkehren, macht mich das auch glücklich.“ Koseda und ihr Mann arbeiten beide Vollzeit – da muss sie extrem gut organisiert sein, um Weihnachten für ihre eigene Familie vorzubereiten. „Das ist ein Spagat. Aber ich habe tolle Unterstützung von meinem Haus!“