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Märchenhaftes von Kräutern und Blumen

Märchenhaftes von Kräutern und BlumenPALAIS BOSE - Die „Kräutermärchen“ des in Österreich lebenden Schweizer Autors Folke Tegetoff waren die Vorlage der 5. Literaturlesung am 23. Juli 2010 im Salon des Palais Bose.

Bärbel Petzold und Ingrid Schulze vom Verband freier Autoren demonstrierten 15 kleine Schönheiten vom Wegesrand – darunter die Königskerze. Sie belegten märchenhaft, wie Kräuter und Blumen zu ihrer Farbe gekommen sind und welcher Zauberspruch und welche Zauberkraft ihnen innewohnt. Dass sich die Sonnenblume immer der Sonne zuwendet, spricht von der Verbundenheit der Mutter Sonne zur Erde und ihren Kindern, der Natur. Das Verhalten der Sonnenblume demonstriert einfühlsam die Sehnsucht der Sonnenkinder (Natur) zur Mutter Sonne.
Die Zauberkraft des vierblättrigen Kleeblatts als Glücksbringer ist bekannt. Doch zum Glück zu kommen ist schwierig, denn das Blatt muss zufällig gefunden werden; mit Handschuhen gepflückt oder noch sicherer, kniend abgebissen werden. Historisch belegt ist der Sieg bei Königgrätz 1866, als sich ein Soldat nach einem Kleeblatt für seine Braut gebückt und dadurch versehentlich das Kanonenkommando ausgelöst haben soll.
Was das Dillkraut betrifft, so wird der Braut empfohlen, dem Zukünftigen noch vor dem Ja-Wort einige Dillblätter in den Schuh zu legen. Zur positiven Veränderung der Verhaltensweise des Liebsten soll das Kauen von Dillsamen oder Dillstängeln beitragen. Märchenhaft schön hingegen kann das selbst gewebte Brautkleid aus Brennnesseln sein. Vom Ursprung der vielfältigen Farbenpracht des Stiefmütterchens wurde erzählt und auch von der Bescheidenheit des Jasmin – alle Farben waren schon verteilt, aber aus Stolz wollte der Jasmin nicht bitten. Zur Strafe wird er gar nicht gepflückt, sondern gebrochen. Doch geblieben ist ihm der unvergleichlich süße Duft.

Die 19 Besucher dankten den Interpretinnen mit herzlichem Beifall und erbaten als Zugabe das Johanniskraut, womit der Kampf zwischen Himmel und Hölle dokumentiert wurde.
Die Veranstaltung war gut organisiert, wozu auch der angenehm temperierte Salon märchenhaft und zauberhaft beitrug.

verfasst von Höppner Hähnel, 28.07.2010